Montag, 6. Dezember 2004

Was soll dieser Blog?

Einladen, sich zu besinnen, nachzudenken und innehalten.
Anregung geben, um wieder zu sich selbst zu finden.
Ruhezone, abseits vom Stress und den Zwängen.
Oase in einer Wüste von Belanglosigkeiten.
Anschreiben gegen Oberflächlichkeit.
Reisen in die Tiefen des Seins.

Sonntag, 5. Dezember 2004

Ganz oben

Es ist still hier, fremd und lebensfeindlich.
Die klare Luft, dünn und eisig kalt.
Ringsum Schnee, Gletscher und schroffe Felsen.
Eiskristalle bedecken die Fensterscheiben und ich
schaue hinunter auf die unbefleckte weiße Wüste.
Vom stahlblauen Himmel her trifft mich
das gleißend helle Licht der Sonne.
Verloren, wer ihm ungeschützt ausgesetzt ist.
Die Menschen sind sich näher hier oben,
fühlen sich aufeinander angewiesen.
Ich liebe es, hier zu sein.

Sonntag, 28. November 2004

Du

Du bist mir gleich angenehm aufgefallen, wie du so ruhig dagesessen hast, abends am offenen Feuer in der Jugendherberge. Mit deinen beiden Zöpfen, dem Kopftuch und dem weißen Pullover mit dem Zopfmuster. Draußen tobte ein Sturm und es schneite ununterbrochen. Später hast du mit anderen Studenten zusammen musiziert. „Sie spielt ganz gut auf ihrer Geige" dachte ich und: "Das ist sicher ein schwieriges Instrument“. Ich selbst hatte mich nicht getraut, meine Flöte auszupacken und mitzumachen. Also hörte ich zu. Nach der Musik saßen wir dann nebeneinander, tranken Wein und unterhielten uns angeregt. Irgendwann sagte ich dir, dass ich müde sei und schlafen gehen wolle, stand auf, verabschiedete mich und ging nach oben in den Schlafraum. Kaum lag ich flach, merkte ich, dass ich wohl doch nicht richtig müde war. Irgendetwas lies mich nicht einschlafen. Also stand ich auf und ging wieder nach unten. Du warst noch da und hast mich gefragt, ob ich etwas vergessen hätte. Ich verneinte und obwohl ich kein spontaner Mensch bin, fragte ich dich einfach: „Hast du Lust auf eine Schneeballschlacht?“ und die knappe Antwort war: „Ja“. Der Sturm hatte sich gelegt und es schneite kaum noch, als wir durch die Tür ins Freie traten. Wir freuten uns über die weiße Welt und den sternenklaren Himmel. Es machte Riesenspaß, sich mit Schnee zu bewerfen und schließlich sanken wir uns erschöpft in die Arme. Es war ein wunderbares Gefühl und ich küsste dich. Anschließend liefen wir Hand in Hand lange durch den knirschenden Schnee und hatten uns so viel zu erzählen. Irgendwann kehrten wir zur Herberge zurück. Die meisten waren schon schlafen gegangen und wir legten uns auch hin.
Am nächsten Morgen war Aufbruchstimmung. Während dem Frühstück sah ich dich und fragte, wann wir uns wiedersehen könnten. Du antwortetest, dass du am nächsten Mittwoch beim Fachschaftsfest seiest und wir verabredeten uns dort. Dann ging jeder seiner Wege. Ich sammelte meine Mitfahrer ein und trat den mehrstündigen Heimweg an. Niemand hatte etwas von unserem Glück bemerkt und ich erlebte die nächsten Tage wie in Trance. Nur meinem besten Freund erzählte ich, wie verliebt ich sei und dass ich es kaum erwarten könne, dich wieder zu sehen.
Am Mittwoch fuhr ich zum Fachschaftsfest. Als ich den Raum betrat, sah ich dich gleich auf dem Sofa sitzen und ging direkt auf dich zu. Ich nahm deine Hände, wir sahen uns in die Augen und begrüßten uns innig. Einige Freunde im Raum waren ziemlich erstaunt, dass wir so vertraut miteinander waren und brauchten eine Weile, um alles zu begreifen. Wir aber waren überglücklich und das hielt noch lange Zeit.

Dienstag, 23. November 2004

Herbst

Ich sitze im Halbdunkel am Schreibtisch und schaue hinaus in den Garten. Die große Kastanie hat alle ihre Blätter verloren. Wie ein braungelber Teppich liegen sie im feuchtkalten Gras. Wehmütig denke ich zurück an die lauen Sommerabende auf der Terrasse. Seitdem du weg bist, ist es stiller geworden im Haus. Zeit um nachzudenken. Turbulente Wochen liegen hinter uns. Erst der Ablehnungsbescheid, dann das wochenlange bange Warten und Hoffen, ob es vielleicht doch noch klappt mit dem Medizinstudienplatz. Deine Ängste, Selbstzweifel, Tränen und unsere vielen nächtlichen Gespräche, es war schwer in dieser Zeit. Dann die Erlösung, als am Donnerstag die Zusage kam und sich deine depressive Stimmung mit einem Schlag in Euphorie verwandelte. Jetzt musste alles ganz schnell gehen. Samstagfrüh hast du deine Siebensachen in mein Auto gepackt und wir sind die dreihundert Kilometer zu deinem neuen Studienort gefahren um eine Wohnung für dich zu finden. Es war nicht leicht, doch wir wurden in einer Wohngemeinschaft fündig und ich konnte dich gleich mit deinen Koffern da lassen, damit du am Montag dein Studium mit drei Wochen Verspätung aufnehmen konntest. Du warst überglücklich und voller Tatendrang, aber für mich war es ein kleiner Abschied. Bestimmt wirst du deinen Weg machen, davon bin ich überzeugt.

Donnerstag, 11. November 2004

Alles läuft weiter

Manchmal beschleicht mich zunehmend das Gefühl, ich sei in einem schlechten Film. Jeden Moment erwarte ich, dass das Licht angeht, die Leute aufstehen und nach Hause gehen. Das passiert aber nicht. Also bleibe ich sitzen und alles läuft weiter.

Sonntag, 7. November 2004

In einem fremden Land

Gleich bei der Ankunft auf dem Flughafen lernte ich, wie man hier Gäste behandelt. Jeder, der einen ausländischen Pass hatte, musste eine unangenehme Prozedur über sich ergehen lassen. Man wurde misstrauisch beäugt und bekam seltsame Fragen gestellt. Offenbar hielt man jeden Ausländer für einen potenziellen Kriminellen oder Terroristen. In der Halle dröhnte es regelmäßig aus den Lautsprecher, man solle sein Gepäck nicht unbeaufsichtigt lassen und auf verdächtige Personen achten. Die Taxifahrt zum Hotel verlief schleppend. Wir wurden mehrfach angehalten und unsere Papiere überprüft. Wieder die gleichen Fragen: „Wohin möchten Sie? Warum sind Sie hier? Wie lange werden Sie bleiben? Mit wem treffen Sie sich?“ Gleichmütig gab ich Auskunft. Nur nicht auffallen. Sich auf keinen Fall verdächtig machen. Im Hotel angekommen reihte ich mich in die Schlange der Neuankömmlinge ein. Jeder musste bei der Anmeldung einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen, was entsprechend lange dauerte. Langsam war ich entnervt, beantwortete aber alle Fragen. Dann schaute ich mich um. An jeder Ecke standen Sicherheitsbeamte, zum Teil bewaffnet. Offenbar befürchtete man, es könne jeden Augenblick etwas Entsetzliches passieren. Die Spannung war wie mit Händen zu greifen. Aber nichts geschah. In der Lobby des Hotels lief ein Fernseher. Man sah eine Diskussion über die Bedrohung durch Terror und was man dagegen tun sollte. Vielleicht, dachte ich, wäre es gut, einmal über die Ursachen nachzudenken und wie man sie beseitigen kann.

Freitag, 5. November 2004

Vergessen

Wege die ich gegangen,
Orte an denen ich gewesen,
Gesichter in die ich geschaut,
Gedanken die ich einmal gedacht,
Vieles versunken im Meer der Vergessenheit.
Nur selten, ganz unvermittelt und schemenhaft,
tauchen Bruchstücke davon wieder in der Erinnerung auf.
Doch will ich sie greifen oder halten, entgleiten sie mir und
verschwinden langsam wieder, vielleicht auf immer und ewig.

Mittwoch, 3. November 2004

Weisheiten

Bei allem was du beginnst, tue es mit Lust und Freude.
Bleib dabei und habe Geduld, denn Gutes braucht Weile.
Ruhe dich nicht aus auf dem Erfolg, wer rastet der rostet.
Behalte dein Ziel im Blick und bedenke immer das Ende.

Dienstag, 2. November 2004

Suche

Jeder Mensch hat verschiedene Seiten. Ich suche in einem Menschen immer das Gute, die Wärme. Auch wenn jemand nur sehr wenig davon besitzt, verschüttet vielleicht sogar, so versuche ich es aufzudecken, es zu erfühlen und zu berühren. Es ist in jedem Menschen. Daran glaube ich fest.

Freitag, 29. Oktober 2004

Schreiben

Eigentlich wollte ich früher einmal Schriftsteller werden. Da war ich ungefähr 10 Jahre alt. Die Vorstellung, am Schreibtisch zu sitzen und Gedanken zu Papier bringen, faszinierte mich. Ich stellte mir vor, interessante Geschichten auszudenken, um damit Bücher zu füllen. Vielleicht ungefähr so, wie meine damaligen Lieblingsautoren Karl May oder Enid Blyton. Und natürlich würde ich dann auch berühmt und von vielen bewundert. Leider ist es nie dazu gekommen und das einzige Buch das ich bisher geschrieben habe, ist meine Diplomarbeit in Informatik. Heute schreibe ich Programme für Computer und meine Arbeit wird von den Leuten, die damit zu tun haben, sehr geschätzt. Irgendwie ist mein Jugendtraum damit doch in Erfüllung gegangen, wenn auch ganz anders, als ich es mir damals vorgestellt habe.
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