Sonntag, 24. Oktober 2004

Hingabe

Ich liebe es, mich einer Sache völlig hinzugeben, mich zu vergessen um darin aufzugehen. So wird sie zu einem Teil meiner selbst.

Samstag, 23. Oktober 2004

Dämmerung

Wenn die Schatten länger werden und die Sonne sanft dem Horizont zustrebt um dann blutrot darin unterzugehen, dann kommt die Stunde des Zwielichts, der Dämmerung. Das trübe Licht lässt alles verändert erscheinen. Am Straßenrand tauchen gaukelnde Schatten auf und versinken wieder. Häuser, Plätze, Fassaden sind nur noch vage Silhouetten in Halbdunkel gehüllt. Fast unheimlich still ist es auf einmal. Die Nacht hat den Tag verdrängt.

Freitag, 22. Oktober 2004

Aufbruch

Ich habe alles so satt, übersatt, mir ist übel und ich fühle mich dumpf und leer. Die vielen Menschen, der Wein und die Musik, das Lachen und Gröhlen. Da blitzt ein Gedanke auf, wie die Lichtspur einer Sternschnuppe am Horizont: Weg, jetzt, hinaus, über schneebedeckte Felder, ehe der neue Tag beginnt. Alles hinter mir lassen um dorthin zu gehen wo Stille ist. Meine Schritte tragen mich weiter und weiter. Ich sehe Lichter in der Ferne, Umrisse von Häusern. Drinnen vom Schlaf gebannte Menschen. Bald werden sie aufstehen und wieder anfangen, einander Gewalt anzutun. Sich gegenseitig erniedrigen, verletzen und quälen. Ihre Gesichter sind gezeichnet von Wunden und Narben, geprägt vom Hass gegen sich selbst und andere. Von Sehnsucht erfüllt ist meine Suche nach einem Menschen, der von all dem noch unberührt ist. Der Augenblick, in dem ich in seine Augen sehen werde, wird für mich Glück bedeuten. Aber das ist noch fern und so führt mich mein Weg weiter.

Donnerstag, 21. Oktober 2004

Liebe

Liebe, das ist geben,
zu opfern alles, auch sein Leben.
Und nicht zu fragen,
ob es nützt, was es bringt,
sondern zu ertragen,
wenn das Herz schier zerspringt.

Mittwoch, 20. Oktober 2004

Sehnsucht

Frei sein, frei wie ein Vogel.
Sich in die Lüfte erheben,
um träumend zu schweben.
Sich fallen lassen, um dann aufzusteigen
und in unendliche Weiten treiben.
Der Sonne näher sein.

Dienstag, 19. Oktober 2004

Bei dir zu sein

Donnerstagfrüh um sieben komme ich an. Die Haustür ist offen, ich trete in die Küche, stelle meine Tasche ab und eile die knarrende Treppe hinauf zu deinem Zimmer. Als ich vorsichtig die Tür öffne und ins Halbdunkel trete, spüre ich deinen Atem und dann, wie du erwachst. Ich bin todmüde von der langen Fahrt, aber überglücklich. Ein wunderbares Gefühl wieder bei dir zu sein, dein Seufzen, deine Stimme zu hören. Jetzt sitze ich an deinem Bett, wir schauen uns an und umarmen uns. Es ist, als wäre ich nie fort gewesen.

Montag, 18. Oktober 2004

Meine Gedanken

Meine Gedanken sind wie ein vorüberziehender Strom, an dessen Ufer ich trunken von seinem Anblick liege. Nur manchmal raffe ich mich auf und es gelingt mir, eine Handvoll aus ihm zu schöpfen. Aber bevor ich meinen Mund damit erreiche, zerrinnt es mir zwischen den Fingern. So bleibe ich ewig dürstend.

Sonntag, 17. Oktober 2004

Böser Traum

Eines Morgens wachte ich auf und erschrak. Meine Hände waren faltig und blutleer. Alles erschien mir fremd und es war unheimlich kühl. Als ich mich vom Bett erhob, spürte ich einen stechenden Schmerz im Rücken und fühlte mich elend und schwach. Meine Beine waren knochig und steif. Zitternd vor Angst und Kälte schleppte ich mich zum Fenster. Draußen lag tiefer Schnee, und die Bäume, gestern noch voller Laub, stachen wie dürres Reisig in den grauen Himmel. Wo waren die bunten Blumen und die honiggelben Weizenfelder, die zwitschernden Vögel und die alles erwärmende Sonne? Eisblumen bedeckten die Fensterscheiben und durch die weiße Wüste pfiff ein eiskalter Wind. Es war, als ging er durch mich hindurch und alles erstarrte vor ihm. Da fiel mein Blick in den Spiegel und jähes Entsetzen überkam mich: aus einem runzligen, fahlen Gesicht starrten mich aus eingefallenen Höhlen zwei trübe Augen an und graues Haar bedeckte mein Haupt. Da begriff ich: es war zu spät - und unmerklich senkte sich der Nebel, es wurde dunkel um mich.

Samstag, 16. Oktober 2004

Traumtänzer

Wenn der Tag zu Ende geht und in der Dämmerung das fahle Licht des Mondes durch die Bäume bricht, dann kommt seine Zeit. Er reckt und streckt sich, halb im Schlaf, halb im Wachen und schwingt sich auf zu frohem Spiel. Die Arme überm Kopf wirbelnd, die Beine kokett verschlungen, so schwebt er tänzelnd dahin, wie von Wolken getragen. Den Wald geschwind durchquerend, streift er über Felder und Wiesen. Nichts vermag ihn zu stören, weder Uhuruf noch Krähenschrei oder Hundegebell. Unaufhaltsam treibt es ihn weiter. Nur der Mond begleitet ihn auf seinem Weg durch die Nacht und spielt mit ihm Versteck. Da erfasst ihn ein Windstoß, er lässt sich wie eine Flaumfeder tragen und gleitet weit ins Land hinein. Mit Riesensprüngen setzt er über Schilf und Moor hinweg. Ein aufgeschreckter Haufen Vögel flattert vor ihm davon. Er tollt herum und schlägt Purzelbäume vor Vergnügen, hüpft mal auf dem einen, mal auf dem anderen Bein. Die Erde erzittert unter seinem Stampfen. Jeder Weg ist für ihn eine Freude, gierig saugt er ihn ein. Hat er einen Hügel erstürmt unter wilden Gebärden, so zieht es ihn schon zum nächsten, höheren hin, dessen dunkler Schatten ihm entgegen ragt. Hei! Er schlägt einen Haken, wenn sich ihm etwas entgegen stellt, verweilt einen Augenblick schnuppernd und lauernd, jagt dann wie besessen davon. Bald wird die Nacht vorbei sein. Noch einmal wirbelt er juchzend umher, dann werden seine Bewegungen sanfter, er dreht noch ein paar Pirouetten um einen im Nebel liegenden See. Doch als der erste Silberstreif des neuen Tages am Horizont steht, sinkt er befriedigt und müde ins nasse Gras.

Freitag, 15. Oktober 2004

Der See

Manchmal fühle ich einen tiefen klaren See. Bei sonnigem Wetter sieht man weit in ihn hinein, und wenn man eine Weile schaut, erkennt man allerlei Pflanzen und Fische, die darin schweben. Hält der Wind seinen Atem an, so spiegelt sich die Welt auf seiner glatten Oberfläche. An heißen Sommertagen kann er kühl und erfrischend sein, dieser See; aber auch naß und eisig kalt im Herbst, wenn wilde Stürme ihn treiben. In der Stille der langen Winternächte glitzert seine zu Eis erstarrte Oberfläche im Mondlicht; doch tief unten in wärmeren Wasserschichten tummelt sich das Leben, sicher den Frühling und die Sonne erwartend.
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